Sehne wickeln

Fragen zum Selbstbau und Reparatur von Bögen, Pfeilen, Sehnen, Zubehör, ...
abgemeldet01

Re: Sehne wickeln

Beitrag von abgemeldet01 »

oko_wolf hat geschrieben: 27. Mär 2023, 20:28 Ich wechsle meine Sehnen (8125G, weiß) nach ca. 12...15000 Pfeilen. Ich schieße 2 Sehnen pro Bogen (einen mit Hallen-Setup/einen für den Sommer draußen) und diese jeweils abwechselnd. Ich komme in einem normalen Jahr auf insgesamt 20..22000 Pfeile, krankheitsbedingt in den letzten zwei Jahren weniger. Die Sehnenöhrchen sind nicht umwickelt und sind die ersten Teile, die verschleissen.
Ja, genau in diese Richtung gehen auch die Erfahrungen aus meiner aktiven Zeit. Das Sehnenmaterial UHMW-Polyethylen ist praktisch unverwüstlich und wenn man einigermaßen sorgfältig mit der Sehne umgeht, ändert sie auch nicht ihr Verhalten (z.B. Längung).
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
wapi
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von wapi »

Radian hat geschrieben: 24. Mär 2023, 14:01 Sind Zeitangaben ohne Schußzahlen verwertbar? Bei knapp über 420 Schuß pro Woche wechsele ich die Sehnen nach zwei Freiluft- bzw. zwei Hallensaisonen. Material Fastflight, 18 Strang. Ist eher präventiv, da ist nichts wirklich kaputt. Meine Hoyt Super Rest wechsele ich aber auch nach jeder Saison, der Witz ist ja gerade, dass noch kein Defekt vorliegen soll, der mich Ringe kostet.
Ich habe dann immer Zeit, die neue Sehne gemütlich einzuschießen, sollte es Probleme geben, sind die alten Sehnen dann immer noch wettkampftauglich.
Ich habe einen guten Händler, der mir die Sehnen nach meinen Maßangaben zuverlässig macht. Natürlich habe ich das auch schon selbst gemacht und festgestellt, dass Qualität und vor allem die Toleranzen davon abhängen, wie oft man das denn so macht. Mit Kevlarsehnen hätte ich Zahlen erreicht, bei denen das Sinn gemacht hätte, aber für maximal vier Sehnen pro Jahr sehe ich das nicht.
Weniger am Material zu arbeiten und mehr Pfeile pro Woche zu schießen, hat meine Ringzahlen deutlich verbessert, sei es Sehnenbau oder früher der Wartungsaufwand mit Spin Wings- die Zeit nutze ich heute lieber für meine Schießform, die mir wirklich Ringe bringt.
Nebenbemerkung Psychologie: Nein, ich mache mir keine Sorgen, dass mich deswegen mein Material Ringe kosten könnte. Wer zu solchen Sorgen neigt, ist meiner Meinung nach in der Tat besser dran, alles selber zu machen- einfach damit dieser nagende kleine Zweifel nicht mehr da ist....

Alle ins Gold
Radian
Radian,
im Prinzip richtig, aber neben Nutzungs-Zeitangabe und Schußzahl fehlt noch eine ganz wichtige Angabe: das ist der Festigkeits- bzw. Reißwert des verwendeten Sehnengarnes, ein Wert, der seit Jahren und bis heute in der Bognesportwelt keine Rolle zu spielen scheint.
Die heute verwendeten Bogensehnengarne aus HMPE und UWHMPE sind für bestimmte untersschiedliche Verwendungsmöglichkeiten entwickelt worden, niemals aber für den Einsatz im Bogensport.
Garne der Kategorie HMPE haben einen Festigkeitswert von cN/dtex 36, in der Kategorie UWHMPE liegt dieser Wert bei 42,5. Das heißt bei einer Garntype HMPE SK75 liegt der Festigkeitswert je Garnstrang bei etwa 55 kg, bei UWHMPE Type SK99 bei ca. 37 kg. Eine 18 Strang Sehne FastFlight oder BCY8125 F hat demnach einen Festigkeitswert von etwa 985 kg; eine 28 Strang Sehne Mercury liegt bei ca. 1.047 kg.
Bei den heute üblichen Bogenstärken RC bis etwa 45 lbs, CP bis etwa 6o lbs erreicht die Belastung für das Sehnenmaterial nur eine geringe Teillast der maximalen rein rechnerisch dargestellten molekularen Materialfestigkeit.
Anhand dieser Werte würde eine Bogensehne noch eine längere Nutzungszeit klaglos mit mehr als 20Tsd Pfeilen vertragen.
Vorausetzung ist aber auch, dass die Wicklungen an den Sehnen handwerklich sehr genau und korrekt ausgeführt worden sind.
Gruß
wapi
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von wapi »

oko_wolf hat geschrieben: 27. Mär 2023, 20:28 Ich wechsle meine Sehnen (8125G, weiß) nach ca. 12...15000 Pfeilen. Ich schieße 2 Sehnen pro Bogen (einen mit Hallen-Setup/einen für den Sommer draußen) und diese jeweils abwechselnd. Ich komme in einem normalen Jahr auf insgesamt 20..22000 Pfeile, krankheitsbedingt in den letzten zwei Jahren weniger. Die Sehnenöhrchen sind nicht umwickelt und sind die ersten Teile, die verschleissen.
oko_wolf,
Deine Bogen-Sehne würde sicherlich von den Festigkeitswerten noch mehr als 15Tsd Pfeile vetragen, nur dieses Garn BCY 8125 G hat ein anderes qualitatives Problem. Deshalb wird es ja von BCY nicht mehr hergestellt.
Das Garn 8125 G besteht aus 92% HMPE Type SK75 und 8% Gore Tex. Gore tex ist ein Monofil überspitzt ausgedrückt ein dicker Prügel im Vergleich zu den 780 dünnen SK75 -Filamenten, die sich in einem Garnstrang befinden. Während der Nutzung einer solchen SEhne arbeiten die Gore Tex Monofile sehr "rabiat" in dem Strangverbund und schädigen zunehmend die SK75 Filamente. Durch das Scheuern bekommt die Sehne eine pelzigen Oberfläche und wird optisch zusehends unansehnlicher.
Korrekt ist ferner Dein Hinweis, dass nicht umwickelte Sehnenohren als erste Teile der Sehne erschleißen. Deshalb ist es ja empfehlenswert, die Sehnenohren als am stärksten beanspruchte Sehnenbereiche durch Umwickeln mit entsprechendem Wickelgarn zu schützen.
Gruß
wapi
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von wapi »

oko_wolf hat geschrieben: 27. Mär 2023, 20:30
wapi hat geschrieben: 19. Mär 2023, 09:37 ...anhand der Rückmeldungen und Antworten zu dieser Fragestellung läßt sich feststellen, dass das Thema offensichtlich von mehr als geringem Interesse ist, deshalb erfolgt von mir keine Veröffentlichung meiner Texte in dieser Angelegenheit....
Seltsame Antwort in einem Forum, das von Erfahrungsaustausch und Diskussion lebt
oko_wolf,
warum findest Du meinen Hinweis seltsam? Wenn 10 Tage nach Thread-Eröffnung erst ein Beitrag vorliegt, ist doch meine Antwort nicht falsch. Auch das Feedback in Summe bis heute, ist sehr schwach. Es kann aber auch sein, dass dieses Forum keine so große Leserschaft mehr hat.
Gruß
wapi
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von wapi »

ullr hat geschrieben: 28. Mär 2023, 08:13
oko_wolf hat geschrieben: 27. Mär 2023, 20:28 Ich wechsle meine Sehnen (8125G, weiß) nach ca. 12...15000 Pfeilen. Ich schieße 2 Sehnen pro Bogen (einen mit Hallen-Setup/einen für den Sommer draußen) und diese jeweils abwechselnd. Ich komme in einem normalen Jahr auf insgesamt 20..22000 Pfeile, krankheitsbedingt in den letzten zwei Jahren weniger. Die Sehnenöhrchen sind nicht umwickelt und sind die ersten Teile, die verschleissen.
Ja, genau in diese Richtung gehen auch die Erfahrungen aus meiner aktiven Zeit. Das Sehnenmaterial UHMW-Polyethylen ist praktisch unverwüstlich und wenn man einigermaßen sorgfältig mit der Sehne umgeht, ändert sie auch nicht ihr Verhalten (z.B. Längung).
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
Christian,
da Du ja dafür bekannt bist, mit äußerster Genauigkeit zu argumentieren, im Bogensehnen-Bereich werden zwei Gruppen Polyethylengarne eingesetzt.
Das sind zum einen die HMPE Typen und zum anderen die UWHMPE Typen. Beide haben, wie von mir bereits dargestellt, unterschiedliche Festigkeitswerte.
Gruß
abgemeldet01

Re: Sehne wickeln

Beitrag von abgemeldet01 »

wapi hat geschrieben: 28. Mär 2023, 15:18 ...
Das sind zum einen die HMPE Typen und zum anderen die UWHMPE Typen. Beide haben, wie von mir bereits dargestellt, unterschiedliche Festigkeitswerte.
Gruß
Es ist schon lange her, dass ich mit diesen hochfesten Garnen zu tun hatte, aber ich meine, UHMW Garne sind die Weiterentwicklung der HMPE... Hinsichtlich der Verwendung als Bogensehnengarn dürfte da kein wesentlicher Unterschied in der Qualität sein.
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
Christian
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oko_wolf
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von oko_wolf »

wapi hat geschrieben: 28. Mär 2023, 15:13
oko_wolf hat geschrieben: 27. Mär 2023, 20:30
wapi hat geschrieben: 19. Mär 2023, 09:37 ...anhand der Rückmeldungen und Antworten zu dieser Fragestellung läßt sich feststellen, dass das Thema offensichtlich von mehr als geringem Interesse ist, deshalb erfolgt von mir keine Veröffentlichung meiner Texte in dieser Angelegenheit....
Seltsame Antwort in einem Forum, das von Erfahrungsaustausch und Diskussion lebt
oko_wolf,
warum findest Du meinen Hinweis seltsam? Wenn 10 Tage nach Thread-Eröffnung erst ein Beitrag vorliegt, ist doch meine Antwort nicht falsch. Auch das Feedback in Summe bis heute, ist sehr schwach. Es kann aber auch sein, dass dieses Forum keine so große Leserschaft mehr hat.
Gruß
Deine Aussage war "...offensichtlich von mehr als geringem Interesse ist...", was ich so lese, daß Interesse da wäre. Falls Du es sarkastisch meintest, habe ich es falsch verstanden.

Warum Du Deine Erfahrungen im Forum nicht teilen möchtest (auch im Falle von geringem Interesse), erschließt sich mir nicht. Wozu ist ein Forum da, wenn man sich nicht austauscht? Wenn ich emails schreiben soll, brauche ich kein Forum. Werden in einem Forum keine Informationen getauscht, braucht man sich auch nicht wundern, wenn es kaum Leser gibt.
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von mbf »

wapi hat geschrieben: 28. Mär 2023, 14:54 Anhand dieser Werte würde eine Bogensehne noch eine längere Nutzungszeit klaglos mit mehr als 20Tsd Pfeilen vertragen.
Interessehalber: wie berechnet sich das?


Ansonsten geht ich auch eher pragmatisch vor. Üblicherweise habe ich 2 oder 3 Sehnen im Einsatz - hintereinander gewickelt, mit jeweils ca. 200 Pfeilen eingeschossen und dann für gut befunden. Setup und Visier kontrollieren, fertig. Die Sehnen schieße ich normalerweise ca. 2 Jahre im rotierenden Einsatz (bei ca. 15.000 Pfeilen im Jahr, in guten Jahren etwas mehr, aktuell... naja...). Wenn die Sehnen dann nicht mehr so gut aussehen (gelbes Garn wird irgendwann etwas schmuddelig, also eher ein optisches Kriterium), gibts einen neuen Satz. Die alten Sehnen bleiben dann eine Weile als (unnötiges) Backup im Bogenkoffer und fliegen später wieder raus.

Bei den Ohren bin ich auch faul: die werden nicht umwickelt. Üblichwerweise habe ich da aber keine Probleme, da ich die Nocken der Wurfarme kontrolliere und ggf. mit feinem Schleifmaterial nacharbeite.
Grüße, Matthias

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abgemeldet01

Re: Sehne wickeln

Beitrag von abgemeldet01 »

mbf hat geschrieben: 5. Apr 2023, 13:25
wapi hat geschrieben: 28. Mär 2023, 14:54 Anhand dieser Werte würde eine Bogensehne noch eine längere Nutzungszeit klaglos mit mehr als 20Tsd Pfeilen vertragen.
Interessehalber: wie berechnet sich das?
...
Ich denke, die Herstellerfirmen haben Vorrichtungen, die den Schuß simulieren. Meinetwegen ein Schlagwerkzeug, mit dem die Spannung in dem Strang durch den Fall eine bestimmten Masse aus einer bestimmten Höhe simuliert wird. Da kommen sehr schnell 20 000 Schläge zusammen. Dauerfestigkeit ist ja nicht nur bei einem Bogen ein interessantes Thema.
Bei den Ohren bin ich auch faul: die werden nicht umwickelt. Üblichwerweise habe ich da aber keine Probleme, da ich die Nocken der Wurfarme kontrolliere und ggf. mit feinem Schleifmaterial nacharbeite.
UHMW-Polyethylen ist ein unglaublich hoch belastbarer Werkstoff. Ich habe noch nie gehört, dass eine Sehne aus diesem Werkstoff gerissen ist (was bei Kevlarsehnen regelmäßig passierte...). UHMW-Sehnen vertragen auch ein wenig Abrieb an den Wurfarmenden locker.
;)
Gruß und klar doch,
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Christian
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Re: Sehne wickeln

Beitrag von Montalaar »

Dann hörst du es jetzt zum ersten Mal, wenn auch vielleicht anders als gemeint:

Vor wenigen Wochen habe ich einen (Compound-) Bogen in die Hände bekommen bei dem eines der Kabel am Öhrchen bis auf 3/20 Strang abgerieben war. Unter der Schutzwirkung wohlgemerkt. Aufgefallen ist es durch plötzlich auftretende Fehlschüsse und veränderte Synchronisation. Nach Austausch zeigten sich sonst keine sichtbaren Alterszeichen am restlichen Material.
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